Der Streit mit den Vorstädtern

Die Vorderfront des alten Schlitzer Bürgerbrauhauses von 1623Die Schlitzer Bürger machten es der Herrschaft allerdings leicht, deren gewonnene Machtpositionen voll auszuspielen, indem sie sich unter sich selbst zerstritten. Und das kam so: Im Laufe des 16. Jahrhunderts hatten sich Bürger vor den Mauern in den beiden sog. "Vorstädten Ober- und Niederthor" angesiedelt, um der Enge der Ringmauer zu entfleuchen. Es kam der verheerende 30jährige Krieg, der ganz besonders die Vorstädter heimsuchte. Man hatte Wichtigeres zu tun, als regelmäßig zu brauen. Und so ergab es sich, daß nach dem Westfälischen Frieden (1648) viele Vorstädter Ansprüche auf Beteiligung am Reihelosverfahren anmeldeten, die schon jahrzehntelang nicht mehr gebraut und sich vor allem auch nicht an dem 1623 erfolgten Neubau des Brauhauses im Niedertorzwinger beteiligt hatten.

Die Braubürger in der Ringmauer stellten sich quer und versperrten den Vorstädtern teils den Zugang zur Sudpfanne, teils verlangten sie von ihnen, daß sie ihr Bier in der Altstadt und nicht in ihren Häusern vor den Toren verzapften. Nur die beiden niedertorischen Schankwirte Hans HABICHT und Hans HEYL sollten ausgenommen werden. Das liest sich 1651 im Ratsprotokollbuch so:

"Die Bräwer, die da außwärtig gesessen, (sollen) ihr Bier in die Stadt legen und allda verzapfen -, ausgenommen Hänsgen HABICHTs und Hans HEYLENs Hauß vorm Niederthor soll die Schankgerechtigkeit, weil sie von alters darob geruhet und auch gleichnahe der Stadt gelegen, allein verbleiben."

Für dieses Verlangen brachten die Stadtbrauer folgende interessante Begründung vor:

"Wan da nun gemeine Stadt und Bürgerschafft sowohl vor dem Oberthor alß die jehnige, so in der Stadt wohnen, wie nicht weniger die frembde einkommende Leuth, die da vielmahl durstig nach der Stadt eylen in Meinung, daß der Bierzapf alda - wie an anders frembdes Ortes gebräuchlich - anzutreffen, aber nicht getroffen, undt aller erst auß der Stadt weit hinauß muß in die Laimenkauten, alda ihren trunck Bier zu suchen..., sich begeben müßen, sich über ein solches... höchlichen zu beschwehren haben."

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