So begann der Zwist

Im Laufe der Jahrhunderte waren aus den Vogtei- und Unterlehnsrechten der Herren von Schlitz faktische Machtpositionen gegenüber ihren Landesfürsten, den Reichsäbten von Fulda, geworden. Die Reformation, der sie sich schon bald angeschlossen hatten, förderte diese Entwicklung. 1563 erlangten die Junker von Schlitz mit der Verleihung des Pfarrbesetzungsrechts in ihrem Herrschaftsgebiet auch noch die so wichtige religiöse Unabhängigkeit von Fulda.

Je stärker sie sich in ihrer Stellung gegenüber ihren Lehnsherren fühlten, desto selbstsicherer und machtbetonter traten sie nun auch gegenüber ihren Bürgern auf. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war gekennzeichnet von dem systematischen Versuch der Schlitzer Herrschaft, die "von alters herr" bestehenden städtischen Freiheiten abzubauen. Die Junker läuteten einen Prozess ein, an dessen Ende der Schlitzer Bürger als Untertan stand.

Das machte sich auch im Schlitzer Braualltag bemerkbar. Der Aufschwung des bürgerlichen Brauwesens in dem gewerblich aufblühenden Schlitz des 16. Jahrhunderts missfiel den Junkern. Sie, die sie mit allen ihren Ganerbenfamilien noch im 17. Jahrhundert im Stadtbrauhaus brauten, entschlossen sich zur Offensive. Sie gründeten 1585 eine eigene Brauerei.

Von da an empfanden sie die Schlitzer Bürgerbrauer als lästige Konkurrenz. Sie begannen mit Nadelstichen, und es endete mit offener Konfrontation.

1595 versuchten die Junker, den Brauern gegen das Versprechen der Ungeldfreiheit das gute "Doppelbier" abzuhandeln, dessen Herstellung offenbar nur der Herrschaftsbrauerei vorbehalten werden sollte. Dies setzten sie jedoch nicht durch. Dagegen gelang es ihnen,

  • die Braumenge im Stadtbrauhaus zu beschränken,
  • die Bierlagerzeit für die Brauer zu verlängern,
  • das Hausbrauen endgültig zu verbieten und
  • durchzusetzen, daß die Hälfte des Ungeldes nunmehr an die Herrschaft floss.

Bierschankwirten in den beiden Vorstädten ließen sie das eingelagerte Bier beschlagnahmen. Schlitzerländer Bauern, die anderswo kauften, wurden streng bestraft. Dies alles mündete letztlich in die mit drakonischen Strafen und detaillierten Drohungen versehene "Bier-Bräwer-Ordtnung" von 1636 für die JOHANN EUSTACH v. Schlitz, sein Sohn JOHANN CHRISTOPH sowie seine Neffen JOHANN VOLPRECHT OTTO HARTMANN und GEORG SITTICH verantwortlich zeichneten.

Doch immer wieder versuchten die Schlitzer Brauer, aus der strengen Ordnung auszubrechen, so 1652 Baltzer HERMANN, der 10 Reichsthaler Strafe zahlen mußte, weil er das auf 10 Pfennig geschätzte Bier zu 12 Pfennig ausgeschenkt hatte, oder 1653 Stoffel HACHENBERG, der in seinem Haus "Ceßelbier" (= Hausbier) gebraut und ausgeschenkt hatte und deshalb gemäß Artikel 10 der Bierbrauerordnung von 1636 auch 10 Reichsthaler berappen musste).

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